CfP: GSAI Conference ‘Zeitgenossenschaft’, 15-16th November at Mary I, Limerick.

„Wir Autoren sind die geborenen Einmischer“ formulierte Heinrich Böll in seiner programmatischen Schrift „Einmischung erwünscht“ (1977) und fasste damit ein Verständnis von Autorschaft zusammen, das im deutschen Sprachraum seit geraumer Zeit einen festen Platz einnimmt.

Die Vorstellung, dass ein Schriftsteller aktuelle Entwicklungen aufgreift und mit nahezu prophetischer Klugheit seine Umgebung beurteilt, durchzieht die deutsche Literaturgeschichte von Heinrich Heine über die Exilliteratur bis hin zu Texten von Gegenwartsautoren wie Ilija Trojanow. Dieses Konzept der poetischen Zeitgenossenschaft erfuhr im Laufe der Zeit eine Politisierung hin zu einer engagierten Literatur im Sinne Jean-Paul Sartres, begriffen als potentiell subversives Medium, das einer Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten vermag. Das Bild des Autors wandelte sich dabei vom weisen Dichtergenie zum Gewissen der Nation.

Besonders in der Nachkriegszeit erfuhr dieses Verständnis von Autorschaft mit der Gruppe 47 einen bis dato neuen Grad der Institutionalisierung. Autoren wie Günter Grass und Martin Walser wurde nicht nur eine Deutungshoheit in Bezug auf ihre Umwelt zugesprochen, sie etablierten darüber hinaus den Schriftstellertypus des unliebsamen Zeitgenossen, der sich auch außertextuell engagiert. Doch so prominent die Rolle des öffentlichen Intellektuellen in deren Wirkungskreis war, so sehr wird gegenwärtig ein Mangel an kritischen Stimmen in der Literatur diagnostiziert.

Hat Bölls Postulat in der Gegenwartsliteratur seine Gültigkeit verloren? Oder verlagern sich öffentliche Diskurse lediglich auf andere Medienformate?

Denn durch zunehmend komplexere internationale und interkulturelle Verflechtungen werden Mediengewohnheiten und damit auch die Austragungsorte kritischer Diskussionen zwangsläufig vielschichtiger. Gleichzeitig rückt vor dem Hintergrund von Globalisierung und Migration das Verhältnis von Zeit und Raum immer stärker in den Blickpunkt von Schriftstellern. Zeitgenossenschaft muss daher nicht auf ihr politisches Moment beschränkt sein, sondern kann auch Zeit- und Raumerfahrungen in der heutigen Netzwerkgesellschaft und dann beispielsweise das Genre der Reiseliteratur, den historischen Roman oder autobiographische Gattungen einschließen. Gerade dieses Zeit-Raum-Verhältnis wird auch im Medium Film und hier besonders ausgeprägt in Filmen des Neorealismus, Dokumentarfilmen oder Roadmovies verhandelt. Mag der Begriff in unserem Sprachgebrauch eng mit kritischem Engagement verknüpft sein, kann ein Autor zudem jenseits dieser Motivation als Zeitzeuge eines bestimmten Ereignisses oder als Zeitgenosse einer anderen Person auftreten. Und schlussendlich ist die Rolle von Zeitgenossenschaft aus sprach- oder übersetzungswissenschaftlicher Perspektive ebenso zu diskutieren wie ihre Bedeutung für den DaF-Unterricht bzw. die Auslandsgermanistik im Allgemeinen. Um dieser Vielfalt Rechnung zu tragen und möglichst neue Perspektiven auf das Thema zu öffnen, wird für die Konferenz von einem bewusst weiten Begriff von Zeitgenossenschaft ausgegangen.

Vorträge könnten sich mit folgenden Themen auseinandersetzen, sind aber selbstverständlich nicht darauf beschränkt:

  • Exilliteratur, Holocaustliteratur, Trümmerliteratur, DDR-Literatur
  • Migrations- und interkulturelle Literatur
  • Politik und Gegenwartsliteratur
  • Erinnerungskultur und Zeitgenossenschaft in Literatur, Film und anderen Medien
  • Darstellung von Zeit und Raum in der Literatur und anderen Medien
  • Diaristische Formen in der Literatur und anderen Medien
  • Fakt und Fiktion in der Literatur und anderen Medien
  • Vox populi und kulturelle/mediale Eliten
  • Politische, literarische u.a. Diskurse aus soziolinguistischer Sicht
  • Zeitgenossenschaft und Sprachbewusstsein
  • Zeitgeschehen und politische Themen im Fremdsprachenunterricht

Interdisziplinäre Beiträge sind ebenso willkommen wie Projekte von Nachwuchsforscher/innen.

Abstracts (Deutsch oder Englisch, max. 400 Wörter) sowie ein kurzer akademischer Lebenslauf können eingereicht werden bis zum 01.06.2019 an:

Hanna.Rompf@mic.ul.ie und Sandra.Wagner@mic.ul.ie

Organisationsteam:

Hanna Rompf

Sandra Wagner

Unterstützt von:

Sabine Egger

Christiane Schönfeld

 

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GSAI Annual Conference ‘Conflict, Crisis and Culture’ registration now open!

Friday 16th November will take place in the Goethe-Institut and Saturday 17th in the Humanities Institute (no. 30 on the UCD campus map).

Please click here to view the programme and the list of abstracts.

Registration:

Should you have any difficulties with the GoogleDoc, please email joseph.twist@ucd.ie with your details.

 

Michelle Müntefering at TCD: The Future of Europe from a German Perspective (Sept. 19th)

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The Department of Germanic Studies, Trinity College Dublin, together with the German Embassy Dublin and the Germanic Society TCD, is delighted to host a public lecture by Michelle Müntefering, State Minister for International Cultural Policy at the Federal Foreign Office. Frau Müntefering will address the following topic:

“The Future of Europe from a German Perspective: The Relevance of Cultural and Educational Exchange”

The lecture is aimed primarily at undergraduate students, but all colleagues, postgraduate students, and other interested parties are warmly welcome to attend. It takes place on Wednesday Sept. 19th at 5pm in the Debating Chamber of the Graduate Memorial Building (GMB) on Library Square: https://www.tcd.ie/Maps/assets/pdf/tcd-main-campus.pdf

FREE EU ROAMING – A play from Ireland, Germany and the UK about national identity

  • Preview Sep 08 @ 18:45
  • Tickets €11
  • Dates Sep 09-13 @ 21:00
  • Tickets €14 / 12 conc.
  • Duration 60 mins

Venue: Smock Alley Theatre Boys’ School

An Irishwoman, an Englishwoman and a Germanwoman walk into a bar. A hostel bar in Barcelona where a fight for Catalonian independence rages on the streets outside. Aside from disrupted festival-going plans, all they hold in common is a hangover. Trapped, the travellers rip stereotypes into confetti. Grab your passport for a buzzing trip of laughs through the past, present and future of three nations.

 

Part of the Dublin Fringe Festival

Book here!

CfP: Conflict, Crisis, Culture. German Studies Association of Ireland 16-17 Nov

We invite proposals for the upcoming GSAI conference Conflict, Crisis and Culture, on 16-17th November 2018 at University College Dublin. Presentations will be 20 minutes in length, and may be given in German or English.

Abstracts in Word format, not exceeding 250 words in length, should be sent as email attachment to Gillian Pye (Gillian.pye@ucd.ie) and Sabine Strümper-Krobb (strumper.krobb@ucd.ie). Please include your affiliation in the body of the email. Deadline for abstracts 1st Sept.

 

Conflict, Crisis and Culture

Significant anniversaries relating to conflicts and crises in the German-speaking lands are taking place in 2018, and often they are situated in a transnational framework: 170 years have passed since the Revolutions of 1848; 100 years since the end of the First World War; 50 years since the protests of the ‘68 movement; 10 since the 2008 financial crisis; and, following the so-called Zirkeltag on the 5th February 2018, the Berlin Wall has now been down for longer than it was standing. Contemporary conflicts and crises, including the so-called crisis in contemporary Germanistik, the rise of AfD/ Pegida, the refugee crisis, have also had an impact upon the German language, German culture as well as the teaching of German.

Possible topics could include, but are not limited to:

·       the relationship of conflict and crises to cultural and linguistic change

·        the relationship between politics, economics and culture as debated in literature and culture

·       the contribution of cultural texts towards radical movements

·       cultural texts and the process of dealing with conflict and expressing trauma

·       the concept of ‘Sprachkrise’ in all its manifestations since modernity

·       perceived ‘cultural conflict’ and ‘cultural crises’

Zu der GSAI Tagung am 16-17 November 2018 am University College Dublin laden wir zu Beiträgen zum Tagungsthema Konflikt, Krise und Kultur ein. Die Vortragsdauer beträgt 20 Minuten.

Vortragsvorschläge im Word-Format (250 Wörter), sollten bis zum 1. September 2018 als Email-Anhang an die Organisatorinnen Gillian Pye (gillian.pye@ucd.ie) und Sabine Strümper-Krobb (strumper.krobb@ucd.ie) geschickt werden.

 

Konflikt, Krise und Kultur

2018 kommt es zu verschiedenen Gedenktagen, die an Konflikte und Krisen in den deutschsprachigen Ländern erinnern und durch die diese sich häufig in einen transnationalen Zusammenhang einordnen lassen: 170 Jahre sind seit den Revolutionen von 1848 vergangen, 100 Jahre seit dem Ende des Ersten Weltkriegs, 50 Jahre seit den Protesten der 1968er Bewegung, 10 Jahre seit der Finanzkrise von 2008; zudem ist, seit dem sogenannten „Zirkeltag“ des 5. Februar 2018, der Zeitraum seit dem Fall der Berliner Mauer erstmals länger als der Zeitraum ihrer Existenz.

Aktuelle Konflikte und Krisen – das Erstarken von AfD/Pegida, die Flüchtlingskrise, und schließlich die sogenannte Krise der zeitgenössischen Germanistik haben ebenfalls eine Einwirkung auf die deutsche Sprache, die deutsche Kultur und nicht zuletzt den DaF-Unterricht gehabt.

Beiträge könnten sich unter anderem mit folgenden Themen befassen, müssen sich aber nicht auf diese beschränken:

·       Das Verhältnis zwischen Konflikten, Krisen und kulturellem und linguistischem Wandel

·       Das Verhältnis zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur

·       Der Beitrag kultureller Produktion zu radikalen Bewegungen

·       Kulturelle Texte und die Bewältigung von Konflikt und Trauma

·       Das Konzept von ‚Sprachkrise‘ in all seinen Manifestationen seit der Moderne

·       Andere als Kulturkonflikte oder Kulturkrisen wahrgenommene Prozesse und Entwicklungen

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